12. Oktober 2015

Rabbiner Bar Lev in der Schwabacher Laubhütte.

©JMF

Am Sonntag, den 11. Oktober 2015, wurde zusammen mit Rabbiner Michael Bar Lev die Chanukkat ha-bajit, die offizielle Einweihung des Jüdischen Museums Franken in Schwabach, gefeiert.

Seitdem befindet sich am Museumseingang eine zylinderförmige, silbrig glänzende Schriftkapsel. Sie scheint als Behältnis zu dienen, denn durch einen kleinen Schlitz lugt ein Stück Pergament hervor. Was das wohl mit der Einweihung des Hauses zu tun hat?

Wer genauer hinschaut, wird durch den Schlitz das hebräische Wort Scha-dai lesen. Es ist einer der vielen Namen von Gott und bedeutet übersetzt „Beschützer der Türen von Israel“. Würde man dann noch das Pergament herausnehmen und ausrollen, würde man darauf folgende Worte finden:

Höre Israel, der Ewige unser Gott, ist der Ewige der einzige Eine! Und liebe den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele (…). Es seien diese Worte, die ich dir heute gebiete, rede davon, wenn du sitzt in deinem Haus und wenn du gehst auf den Weg (…), schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und an deine Tore!“ (Deut, 6)

Es ist das Schma Jisrael, das die Einzigkeit Gottes deklariert. Damit ist klar, dass die Mesusa ein religiöses Symbol ist.

Mit Gottes Schutz und Segen

Die Mesusa am Eingang des Jüdischen Museums Franken in Schwabach. Die Mesusa ist ein Symbol Gottes, das zur Einweihung eines jeden Hauses am Türpfosten der Eingangstür und zusätzlich oft an Zimmertüren, die zu Wohnräumen führen, angebracht wird.
Rabbiner Michael Bar Lev aus Pforzheim, der Enkel des letzten Schwabacher Rabbiners Dr. Salomon Mannes, reiste am Sonntag eigens an, um das religiöse Ritual der Chanukkat ha-bajit am Laubhüttenmuseum durchzuführen. Dabei sang und betete er, um Gottes Segen für dieses Haus zu erbitten.

Da man die Mesusa immer beim Betreten und Verlassen des Hauses oder eines Raumes sehen kann, erinnert sie stets an die Verbindung zu Gott, an seine Liebe zu den Menschen und an die Bestimmung derselben, ihm zu dienen. Sie ist ein Zeichen dafür, dass Gott über das Haus wacht und beschützt. Viele Juden berühren beim Verlassen und Betreten des Hauses die Mesusa mit der Hand oder küssen sie. Das soll immer wieder auf den rechten Weg zurückführen. Einige betrachten sie sogar als Talisman oder tragen sie gar als Anhänger an der Halskette oder am Armband.

Rabbiner Bar Lev bringt die Mesusa am Jüdischen Museum Franken in Schwabach an.

Rückkehr nach langer Zeit

Die feierliche Einweihung des Hauses begann in der Alten Synagoge mit Vorträgen. Museumsleiterin Daniela Eisenstein und Bezirksrat Alexander Küßwetter, der 1. Vorsitzenden des Trägervereins, begrüßten die Gäste. Auch Matthias Thürauf, Oberbürgermeister der Stadt Schwabach, war gekommen und freute sich sehr, dass diese Zeremonie nach so langer Zeit wieder nach Schwabach zurückgekehrt ist – denn wie bekannt ist, rühmte sich die Stadt Schwabach ab 1938, judenfrei zu sein.

Feierliche Einweihung des Jüdischen Museums Franken in Schwabach im Oktober 2015.Die Mannes

Die Stellvertretende Leiterin Verena Erbersdobler präsentierte anschließend in einem Vortrag die Geschichte des letzten Schwabacher Rabbinerehepaars Dr. Salomon und Clara Mannes. Salomon war als gelehrter Mann weithin bekannt und geachtet. Er hatte ein großes Talent für Sprachen und beherrschte Aramäisch, Arabisch, Syrisch, Griechisch, Lateinisch, Persisch, Hebräisch und Englisch. Er war mit Klara Jacobi verheiratet, die er in seiner Heimat Polen kennengelernt hatte. Gemeinsam hatten sie vier Söhne und drei Töchter.

1901 wurde Dr. Mannes ordiniert und mit der Verwaltung des Rabbinats in Schwabach betraut, als Vertretung des schwer erkrankten Rabbiners Wissmann. 1903 starb Wissmann und Dr. Mannes wurde zum Nachfolger im Amt des Distriktsrabbiners bestimmt. 1932 wurde das Rabbinat aufgelöst und die Familie Mannes zog nach Frankfurt am Main. Nachdem die Gestapo in der Pogromnacht im November 1938 seine Wohnung überfallen, und Möbel und Gegenstände zerschlagen hatte, wanderten die Mannes schließlich nach London aus. Bald hatte er auch hier wieder seinen festen Stamm an Talmudschülerna aufgebaut. Nach Schwabach kehrte Mannes nie wieder zurück und starb 1960.

Erinnerungen

Rabbiner Michael Bar Lev hat noch heute viele Erinnerungen an seinen Opa und teilte diese anschließend mit dem Publikum. Wenn Michael Bar Lev heute von ihm spricht, sind es warme Worte voller Sympathie. Er sagte, er sei sehr glücklich, ihn gekannt und von ihm gelernt zu haben.

Rabbiner Michael Bar Lev.

Er selbst wurde in Israel geboren und wuchs dort auf. In den Ferien besuchte er aber immer seinen Großvater in London, um mit ihm zu lernen. Er wusste schon als Kind, dass er auch Rabbiner werden würde und wollte sich das scheinbar unendliche Wissen seines Opas einverleiben.
„Er war ein richtiges Genie“, sagt Bar Lev. „Selbst als er fast blind war, wusste er genau, wo welches Buch in seiner Bibliothek stand und vor allem was darin stand. Er kannte den ganzen Talmud auswendig und merkte sofort, wenn sein Enkel auch nur zwei Worte vertauschte…“

Doch nicht nur mit seiner Kindheitserinnerungen, sondern auch mit einigen Worten zum Laubhüttenfest wusste der Rabbiner das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Warum Gott wohl wollte, dass dieses Fest ausgerechnet in der kalten Jahreszeit gefeiert werden soll? Warum soll man in kalten Hütten sitzen? – Jung und alt, arm und reich sollen zusammenkommen und sich erinnern, dass sie ein Volk sind und dass die Stärkeren den Schwächeren beistehen müssen.

Der Lulaw – ein Symbol für das Volk

Rabbiner Bar lev im Jüdischen Museum Franken in Schwabach.Laut Mannes symbolisiert nichts diesen Gedanken besser als der Feststrauß, der während des Festes zum Segen in alle Richtungen geschwenkt wird. Er besteht aus Palm- und Bachweidenzweigen, Myrthe und dem Etrog. Der Palmzweig allein bzw. seine Früchte haben nur Geschmack, die Myrthe nur Geruch, der Etrog beides und der Bachweidenzweig keines von beiden. Nur zusammen entfalten sie ihre Wirkung. Ist das Volk also wie die vier Arten des Straußes vereint, geht es allen gut. Damit schloss Bar Lev seinen Vortrag.

Anschließend wanderten alle von der Synagoge zum Museumseingang, um Bar Lev bei der Anbringung der Mesusa zuzusehen. Mit einer Museumsbegehung und einem kleinen Umtrunk mit koscherem Wein und Brezen klang die feierliche Einweihung schließlich aus.

Begehung der Museumsräume in Schwabach.