20. August 2014

Bald wird auch der Erweiterungsbau des Jüdischen Museums Fürth in Angriff genommen. ©Jüdisches Museum Franken, 2014

©JMF 2014

Neue Ausstellungen, kreative Videoanimationen und innovative Vermittlungskonzepte – dank der Leuchtturmprojekte weht jetzt ein frischer Wind im JMF. Monatelang haben die fleißigen Mitarbeiter der Leuchtturmprojekte geackert und das Ergebnis ist berauschend. Der letzte Feinschliff fehlt zwar noch, doch die Besucher dürfen sich jetzt schon auf einen abwechslungsreichen Rundgang voller Neuheiten freuen.

  • Ein ganz neuer Flügel wurde geschaffen, der das Leben des jüdischen Bürgertums im 19. und 20. Jahrhundert veranschaulichen soll. Das Konzept für die Ausstellung steht bereits und wartet darauf, umgesetzt zu werden.
    Es werden originale Möbel und Alltagsgegenstände zu sehen sein, die eine Fürther Familie bei ihrer Emigration in die USA mitnahm und die nach fast einem Jahrhundert wieder ins JMF zurückgekehrt sind.
  • Der Mittelalterbereich erhielt ein neues Gesicht und damit ein neues Glanzstück: eine Video-Station. Ab Ende des Jahres wird ein Film über das jüdische Leben im Mittelalter zu sehen sein. Er zeigt, wie Fürth zu einem der wichtigsten Zentren jüdischer Kultur in ganz Deutschland wurde. Bisher war das nur sehr begrenzt möglich, da nur wenige erhaltene Objekte aus dieser Zeit vorhanden sind.
  • Ein neues Highlight des JMF in Fürth ist die Reproduktion eines Wandgemäldes, das in einem Privathaus in Bad Windsheim gefunden wurde. Das Haus war zwischen 1946 und 1949 Teil eines Displaced-Person-Lagers.
    Anfangs war dort nur ein Teil des Gemäldes sichtbar. Darauf ist ein Wanderer, der auf eine orientalisch anmutende Stadt am Meer zuschreitet. Darüber steht in hebräischen Buchstaben „Jedes Exil führt zu…“ Die Fortsetzung dieses Satzes fanden die Restauratoren bei der Freilegung des zweiten, übertünchten Teils. Was sie enthüllten, hätte niemand erwartet. Es ist verblüffend und schockierend zugleich. Am besten, ihr seht selbst im Museum nach.
    In Kürze wird dazu auch ein Film über die Restaurierungsmaßnahmen vor Ort gezeigt – ein seltener Einblick in die Arbeit „hinter den Kulissen“ eines Museums.
“Jedes Exil führt zu…?” ©Jüdisches Museum Franken, 2014

“Jedes Exil führt zu…?” ©JMF 2014

  •  Diaprojektoren sind schon fast ein Fremdwort. Deshalb blättern die Besucher ab jetzt dank einer modernen Videoanimation virtuell durch das Memorbuch einer Wiener Gemeinde, ein sehr wertvolles Stück der Sammlung des JMF. Lange Zeit war es verschollen, nachdem es nach der Vertreibung der Wiener Juden durch die Familie Fränkl nach Fürth gelangte.
  • Bei so vielen Neuerungen dürfen natürlich auch neue museumspädagogische Konzepte für Jugendliche und Erwachsene nicht fehlen. So wurde beispielsweise die „Rallye Fürth“ entworfen, die Schülern die jüdische Geschichte Fürths und speziell die Hausgeschichte des Museumsgebäudes in Fürth nahe bringt.

Abgeschlossen sind die Leuchtturmprojekte damit noch lange nicht. Das JMF hat noch viele Pläne in den Bereichen Forschung, Museumspädagogik, Ausstellungswesen und Sammlungspflege. Ein Mammutprojekt ist sicherlich der Erweiterungsbau des Fürther Museums. Die geplanten Veranstaltungsräume, der Besucherempfang mit Café und Shop, die Studienbibliothek und die Depot- und Büroräume werden dringend benötigt.