8. Oktober 2014

©Annette Kradisch, Nürnberg

©Annette Kradisch, Nürnberg

Derzeit wird in der Synagogengasse eifrig gesägt, gebohrt und genagelt – schließlich wird im Mai/Juni 2015 hier auch die neue Ausstellung bzw. der dritte Standort des Jüdischen Museum Frankens eröffnet. Das Besondere daran: Der museale Raum wird innen und außen bespielt und ein bisher in seiner Art einzigartiger Hase wird eine große Rolle spielen.

Per App durch die Synagogengasse

Außen – d.h. in der Synagogengasse – kann man sich schon jetzt vorstellen, wie die jüdische Gemeinde hier vom 18. bis 20. Jahrhundert lebte. Wie der Schulklopfer zum Gebet rief, wie ein kleiner Junge am liebsten jeden Tag die Dachklappe hochzog, um von seinem Bett aus „bei klarem Himmel die Sterne oder Mond vom Himmel zu beobachten“ (Albert Leisinger, Schwabach geb. 1927/28, verstorben im September 2013) und wie der Schächter lieber ein Bierchen trank anstatt seinen Pflichten nachzugehen. Ganze 20 Jahre musste sich die jüdische Gemeinde mit ihm herumschlagen…

Sind diese Personen nicht sympathisch? Wer sie kennenlernen will, spaziert nach der Museumseröffnung durch die Synagogengasse und lauscht ihren Geschichten einfach über eine kostenlose App.

Synagogengasse vor und nach der Renovierung.

©Stadtarchiv Fürth (links); Annette Kradisch, Nürnberg (rechts)

Hasenjagd in der Laubhütte

Und wo ist nun der eingangs erwähnte Hase? Er ist Teil der neuen Dauerausstellung im Anwesen Nr. 10, dem Museumsgebäude. Über eine knarzende alte Holztreppe gelangt man in den ersten Stock – und fühlt sich sofort in eine andere Zeit versetzt. Kein Wunder, das Haus sieht noch genauso aus, wie damals, als der Jude Moses Löw Koppel es 1795 erwarb.
Ganz bewusst wurde die Architektur als Hauptexponat in den Mittelpunkt der Ausstellung gesetzt. Objekte kann man natürlich auch bewundern, aber nur wenige – eben das, was erhalten geblieben ist. Zusammen mit Audiostationen und animierten Filmen erleben die Besucher so das fränkisch-jüdische Alltagsleben hautnah nach.

Steigt man in den zweiten Stock, wird man nun auf der Suche nach dem Hasen endlich fündig: In der Laubhütte rennt das Tier auf einem Wandbild vor seinen Jägern davon. Diese Hasenjagd-Szene macht die Laubhütte einzigartig und zum Highlight des Museums. Nirgendwo anders wurde bisher eine solche Wandmalerei gefunden.

Ausschnitt HasenjagdkleinDie „Jagnenhas“ ist eine simple Eselsbrücke. Mit den hebräischen Buchstaben „JaK-Ne-HaZ“ kann man sich die Reihenfolge der fünf Segenssprüche leicht merken, wenn der Schabbatausgang auf einen Feiertag fällt.
Das J steht für Jajin (Wein), das K für Kiddusch (Heiligung), das N für Ner (Licht), das H für Hawdala (Trennung) und das S für Sman (Zeit).

Natürlich hat der Hase noch Gesellschaft, so dass sich in Summe ein umfassendes ikonographisches Bildprogramm zum Laubhüttenfest ergibt. Aber wir wollen ja nicht alles verraten…

Prominente Fans

Neben den Museumsmitarbeitern haben der Hase und die Synagogengasse bereits viele prominente Fans: Oberbürgermeister Thürauf, Bürgermeister Dr. Oeser und Dr. Günther Beckstein, Ministerpräsident a.D. Letzterer zeigte sich so begeistert von dem Projekt, dass er die Schirmherrschaft übernahm:

(…) Die Laubhütte im Anwesen Nr. 10 ist einzigartig: Sie gehört nicht nur zu den wenigen Laubhütten Bayerns, sondern hebt sich unter diesen auch noch durch ihre bemerkenswerte handwerkliche und künstlerische Ausgestaltung hervor.

©Günther Beckstein

©Günther Beckstein

Zusammen mit den anderen Häusern der Synagogengasse ist sie ein ganz besonderes Zeugnis fränkisch-jüdischer Kultur. Der Museumsbau ist also ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der fränkisch-jüdischen Geschichte. Gerade nach der unrühmlichen Vergangenheit Nürnbergs – ich denke da z.B. an die Nürnberger Gesetze – können wir der jüdischen Kultur, einem grundlegenden Element der fränkischen Geschichte, nie genug Aufmerksamkeit zollen.

Für die Eröffnung ist nun fast alles bereit, die Architektur steht und die Vitrinen sind angebracht. Bis Mai 2015 wird es aber noch dauern, bis die verschiedenen multimedialen Produktionen fertig sind.