25. Oktober 2017

Experten diskutierten bei der 2. Fürther Tischgesellschaft in der Comödie Fürth zum Thema Politik und Religion. .

Der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Dr. Ulrich Maly lud am vergangenen Dienstag (24.10.) zur 2. Fürther Tischgesellschaft in die Comödie Fürth ein.
Die Fürther Tischgesellschaft ist ein Kreis aus Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen, Stiftungen und Politik, der das Jüdische Museum Franken während dessen Spendenkampagne unter dem Motto „Offen für Neues | Open Your Mind“ bis zur Eröffnung des Erweiterungsbaus in Fürth 2018 begleitet.

Eingebunden in ein 3-Gänge-Menu und musikalische Begleitung diskutierten namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus Religion, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur mit den Gästen über das Thema „Politik ohne Religion. Religion statt Politik. Welche Rolle spielen Religionen heute? An welchen Werten orientiert sich die Politik?“ Alexander Jungkunz, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten, führte dabei durch den Abend.

Dr. Ulrich Maly setzte bei der 2. Fürther Tischgesellschaft wichtige Impulse zum Thema Religion und Politik. Laut Dr. Ulrich Maly ist es die Aufgabe der Politik, das allgemeine Wohl einer Gesellschaft zu definieren, und die Religion kann die dafür nötigen ethischen Werte liefern. Eine Gesellschaft könne nur dann funktionieren, wenn es eine vereinende, sinnstiftende Institution gibt, die ihr Halt gibt. Denn die Sinnfragen „Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?“ hat die Menschen schon immer bewegt und wird sie auch weiterhin bewegen. Das Verhältnis von Religion und Politik wird laut Dr. Maly zwar nie reibungslos bleiben, aber im besten Falle sorgt die Religion dabei, dass der Staat zusammenhält.

Auch für Prof. Dr. theol. Dr. soc. Elmar Nass, Professor für Wirtschafts- und Sozialethik an der privaten Wilhelm Löhe Hochschule für angewandte Wissenschaften, liefern Religionen Begründungen und Fundamente für die Politik, z.B. wenn es um die Definition von Menschenwürde geht. Peter Prange, Autor des Buches „Werte: Von Plato bis Pop – Alles, was uns verbindet“, gab dabei zu bedenken, dass zwischen Werten und Glaubenssätzen unterschieden werden müsse. Werte seien Orientierung und auch auferlegte Nötigung der Gesellschaft, die aber auch verhandelbar seien. Glaubenssätze dagegen passieren im Namen Gottes und seien nicht verhandelbar. Wenn nun diese Glaubenssätze die Gesellschaft zu sehr bestimmen, d.h. politisch werden, dann beginnt laut Prange Religion gefährlich zu werden. Benjamin Idriz, Imam und Autor, berichtete an dieser Stelle von seiner Erfahrung als Muslime: Je mehr man sich mit der Politik beschäftige, desto mehr entferne man sich von der Religion.

Tischdeko 2. Fürther TischgesellschaftProf. Dr. Peter Dabrock, Vorsitzender der Deutschen Ethikkommission, schloss, dass die Balance zu finden zwischen Politik und Religion genau das Schwierige sei. Eine einfache Trennung der beiden Komponenten sei nicht sinnvoll. Vielmehr können sich Religion und Politik in Form einer „strategischen Partnerschaft“ gegenseitig stärken – wenn es auch nur durch Kritik ist. Religionen sollen eine Orientierungsfunktion mit Selbstkritik wahrnehmen und Netzwerke aufbauen. Die einzelnen Religionen unter sich sollen sich gegenseitig wertschätzen, inspirieren und voneinander lernen.